Geborgenheit und Freiraum

Offene Arbeit in der Krippe

Das offensichtlichste Merkmal der offenen Arbeit ist die veränderte Raumgestaltung. Wir haben in unserem Krippenhaus nicht drei gleichförmige Gruppenräume, sondern drei Räume, die jeweils „Heimat" einer Gruppe sind und zugleich einen inhaltlichen Schwerpunkt haben. Ein Raum muss nicht alles leisten: vorlesen, bauen, malen... Im Krippenhaus ist es möglich, den verschiedenen Interessen und Spielideen der Kinder Raum zu geben. Die pädagogischen Fachkräfte haben dabei immer die Freiheit zu entscheiden, ob eine Tür offen oder geschlossen ist. Sie entscheiden über den passenden Rahmen. Ruhe zu haben ist gerade im Krippenalter ein elementares Bedürfnis. Es ist für uns kein Qualitätsmerkmal Offener Arbeit, dass immer alle Türen offen stehen müssen. Das grundlegende Bedürfnis der Kinder nach Verbindung mit der Welt wird durch gestaltete Schutzräume ermöglicht.

Während der Freispielzeit bewegen sich die Kinder spielend im ganzen Haus. Die Fachkräfte begleiten sie dabei, beobachten und geben die notwendige Unterstützung und Sicherheit. Sie sind offen für alle 27 Kinder und übernehmen die Verantwortung für ihr Wohlergehen. Das erfordert die Bereitschaft aller, sich im gesamten Team auf Regeln, Rechte von Kindern und Absprachen zu verständigen. Für diesen Prozess wird ausreichend Zeit eingeplant, denn Kommunikation und Kooperation im gesamten Team ist ein Kernpunkt offener Arbeit. Es müssen Ideen entwickelt und Lösungen gefunden werden, die wirklich alle im Alltag mittragen können und wollen. Spezielle Angebote in Kleingruppen oder mit einzelnen Kindern, wie Marktbesuche, Aquarellmalen, Planschen, Turnen, … werden wöchentlich in der Dienstbesprechung gemeinsam geplant und verabredet. Die Kinder werden dann zu den Angeboten von den entsprechenden Fachkräften abgeholt und anschließend wieder in die Gruppe gebracht.

Wir nutzen alle Ressourcen gemeinsam - die Räume, die Zeit und das Material - und übernehmen dafür die Verantwortung. Das führt zu einer großen Entlastung im Zusammenleben und -arbeiten. Jede Fachkraft hat einen pädagogischen Schwerpunkt, für den sie im Besonderen die Verantwortung übernimmt. Von ihrem Wissen und ihrer Begeisterung profitieren alle: Kinder und Erwachsene, nicht nur die eigene Gruppe. Wie die Räume müssen auch die Fachkräfte nicht alles leisten: Wer gerne malt, darf malen, und das Toben und die Bewegung übernimmt eine Andere.

Offene Arbeit bedeutet mehr als ein pädagogischen Konzept und eine veränderte Raumgestaltung. Es erfordert eine offene Grundhaltung im Zusammenleben. Das Team hat Freude an Kooperation im ganzen Haus. Es arbeitet experimentierfreudig und fehlerfreundlich. Wege und Ergebnisse sind nicht vorgegeben. Daher müssen Konzept, Leitgedanken, Anliegen und Absichten allen Beteiligten transparent zur Verfügung gestellt werden. Das Offene Konzept kann es nicht geben. Es lebt mit und von den Menschen und den räumlichen Möglichkeiten. Und es erfordert den Mut, Anderes als das Gewohnte für möglich zu halten und offen zu sein für neue Blickwinkel und Perspektiven.

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